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Fernseh- und Videonormen, Filmformate und Soundsysteme (FAQ)

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Archive-name: de-film/formate
Posting-Frequency: monthly
Last-modified: 1999-11-21
URL: http://www.bawue.de/~agnus/FAQ_Video.text

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==   FAQ zu Fernseh- und Videonormen, Filmformaten und Soundsystemen    ==
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Weitere Fragen, Hinweise und Korrekturen sind willkommen. Eine HTML-
Fassung dieses FAQs ist in Vorbereitung.

Dieses FAQ kann in der aktuellen Fassung auch unter folgenden
»Adressen« eingesehen werden:
  http://www.bawue.de/~agnus/FAQ_Video.text
  http://www.cheppie.de/faq/videofaq.txt
  news:de.rec.tv.technik
  news:de.rec.film.misc
  news:de.answers
  news:news.answers

Folgenden Personen gilt mein besonderer Dank, für ihre hilfreichen
Kommentare und Beiträge zu diesem FAQ (alphabetisch):
  Matthias Andree, Moritz Barsnick, Hinrich Eilts, Hans Fischer,
  Markus Fritze, Walter Hafner, Oliver Heidelbach, Stefan Hellwig,
  David Hermann, Bjoern Hoehrmann, Arnd Kaiser, Ralph Kitzing,
  Torsten Kracke, Martin Kraemer, Michael Manger, Thomas Meyer,
  Eike Mueller, Carsten Muencheberg, Robert J. Niland, Jan Peters,
  Kai Rode, Joerg-Olaf Schaefers, Frank Schiele, Martin Schmidt,
  Wolfgang Schwanke, Dirk Schwarzhans, Nicky Serfling, Robert
  Siersch, Markus Stoll, Sönke Tesch, Martin Wittig, Christian Wolff

An diversen Stellen sind technische Zusammenhänge etwas vereinfacht
bzw. minimal falsch dargestellt, um Verwirrungen beim Leser zu
vermeiden. Zum Teil wird in eckigen Klammern auf diese Fehler
hingewiesen bzw. kurz auf den richtigen Sachverhalt eingegangen.

Für die inhaltliche Korrektheit wird keine Garantie übernommen.
Schadensersatzansprüche wegen Fehlern in diesem FAQ können nicht
geltend gemacht werden. Für die Einhaltung der Urheberrechte bei
den von Co-Autoren beigetragenen Teilen sind die jeweiligen Co-Autoren
verantwortlich.

Veränderungen:
23.08.1999 -> 16.09.1999  Kapitel 7.4.1.4. umbenannt.
16.09.1999 -> 17.10.1999  Neue Links bei 9.1.
17.10.1999 -> 21.11.1999  Korrektur bei 1.2., 1.2.2., 1.2.4., 1.5.,
                          4., 6.2.5.3.; neue Links bei 9.1.;
                          neuer Eintrag bei 3.4.; Überarbeitung von
                          7.4.1.2.


0. Inhalt   --------------------------------------------------------------

1. Fernsehnormen
   1.1. Bild (schwarzweiß)
   1.2. Bild (farbig)
        1.2.1. NTSC
        1.2.2. PAL
        1.2.3. PALplus  - in Vorbereitung -
        1.2.4. SECAM
   1.3. Übersicht Sendenormen
   1.4. Auflösung
   1.5. Teletext, Close Caption
2. Videonormen
   2.1. Aufzeichnung
   2.2. Film-Video-Transfer
3. Videowiedergabe
   3.1. Grundsätzliches
   3.2. NTSC-Playback-Recorder
   3.3. Multinorm-Recorder
   3.4. Recorder-Übersicht
4. Normwandlung
5. Filmformate und Film-Video-Transfer
   5.1. Einleitung
   5.2. Harte Formate
        5.2.1. Der Transfer harter Formate auf den Fernsehschirm
        5.2.2. Bemerkungen zu harten Formaten
   5.3. Weiche Formate
        5.3.1. Der Transfer weicher Formate auf den Fernsehschirm
        5.3.2. Bemerkungen zu weichen Formaten
   5.4. Weitere Filmformat-Begriffe
   5.5. Ausgewählte Filmformate
6. Andere Speichermedien für Film im Heimbereich
   6.1. Laserdisc (LD)
        6.1.1. Einführung
        6.1.2. Die Technik
        6.1.3. Der Ton auf der Laserdisc
        6.1.4. Interaktive Elemente der Laserdisc
        6.1.5. Ausstattungsmerkmale moderner Laserdisc-Player
        6.1.6. Sonstiges
   6.2. Digital Versatile Disc (DVD)
        6.2.1. Einführung
        6.2.2. DVD-ROM
        6.2.3. DVD-R, DVD-RAM
        6.2.4. Datenformate der DVD
               6.2.4.1. Videoformate
               6.2.4.2. Audioformate
        6.2.5. Schutzmechanismen
               6.2.5.1. Kopierschutz
               6.2.5.2. Länderkennung
               6.2.5.3. DiVX
        6.2.6. Qualitätsvergleich zwischen DVD und anderen Medien
        6.2.7. Sonstiges
7. Soundsysteme
   7.1. Analoge Soundsysteme
        7.1.1. Mono
        7.1.2. Stereo
        7.1.3. Dolby Stereo / Dolby Surround
        7.1.4. Dolby Stereo 70mm 6-Track
        7.1.5. Dolby Stereo Spectral Recording (SR)
        7.1.6. Sonstige analoge Soundsysteme
   7.2. Digitale Soundsysteme
        7.2.1. Dolby Digital (DD)
        7.2.2. Dolby EX
        7.2.3. Digital Theater Sound (dts)
        7.2.4. Sony Dynamic Digital Sound (SDDS)
   7.3. Nicht mehr verwendete Soundsysteme
        7.3.1. Sensurround
        7.3.2. Cinema Digital Sound (CDS)
   7.4. Qualitätssicherungssysteme
        7.4.1. THX
               7.4.1.1. Kinos mit THX-Zertifikat
               7.4.1.2. Geräte fürs Heimkino mit THX-Zertifikat
               7.4.1.3. Filme fürs Heimkino mit THX-Zertifikat
               7.4.1.4. Theater Alignment Program (TAP)
               7.4.1.5. Anmerkungen zu THX
8. Begriffserklärungen und Abkürzungen  - in Vorbereitung -
9. Literatur  - im Aufbau -
   9.1. Interessante Web-Seiten  - im Aufbau -


1. Fernsehnormen   -------------------------------------------------------

1.1. Bild (schwarzweiß)

Zunächst etwas Geschichte: Am Anfang war das Schwarzweißfernsehen.
Der Sender übertrug ein Helligkeitssignal (Luminanz), das im Fernseher
mit Hilfe des Rasterstrahls wiedergegeben wurde. Dieser Rasterstrahl
läuft in Zeilen von links oben nach rechts unten. Beim ersten
Durchlauf werden allerdings nur die Zeilen 1, 3, 5 usw.  (eben die
ungeraden Zeilen) angezeigt. Am Ende einer Zeile folgt in der
Luminanz ein Synchronisationssignal, das den Fernseher auffordert,
den Rasterstrahl nach links in die übernächste Zeile zu stellen.
Ist der Rasterstrahl rechts unten angelangt, folgen drei
Synchronisationssignale, die den Rasterstrahl wieder nach links
oben befördern. Dann kommt eine kleine Pause, um dem Rasterstrahl
Zeit zu geben, von rechts unten nach links oben zu hüpfen. Diese
Pause ist die berühmte »Austastlücke«. Im nächsten Durchlauf werden
die geraden Zeilen (2, 4, 6 usw.) dargestellt. Jeder Durchlauf
stellt also ein Halbbild (half frame oder manchmal auch »video
field« genannt) dar. Zwei Halbbilder ergeben ein Vollbild. Dieses
Verfahren (erst ungerade, dann gerade Zeilen) wird »interlaced«
genannt und wurde aufgrund der technisch beschränkten Möglichkeiten
(maximale horizontale Geschwindigkeit des Rasterstrahls; ca. 15
kHz) gewählt.

In Europa (so wie Asien, Australien und Afrika) und den USA (so wie
Japan, Kanada, Südamerika und einige Pazifikinseln) wurden von
Anbeginn (wegen der verschiedenen Netzfrequenzen) verschiedene
Standards etabliert:

Tabelle 1: Schwarzweiß-Standards
-----------------------------------------
                         USA     Europa
-----------------------------------------
Netzfrequenz              60 Hz    50 Hz
Frames (je Sekunde)       30       25
Zeilenzahl (je Frame)    525      625
-----------------------------------------

[Diese Unterscheidung ist nicht vollständig, d.h. es gab trotzdem
beim grenzüberschreitenden Empfang in Europa Probleme, z. B. durch
unterschiedliche Sendefrequenzen. Doch das soll uns im Sinne dieses
FAQ nicht näher interessieren, weil reines Schwarzweißfernsehen der
Vergangenheit angehört. Näheres dazu kann aus 1.3 abgeleitet werden.]

[Die Wiederholrate (für die USA und »Verwandte«) beträgt nicht exakt
60 Hz, sondern 59,94 Hz, also 29,97 Vollbilder je Sekunde.]


1.2 Bild (farbig)   ------------------------------------------------------

Irgendwann um 1953 (USA) bzw. 1967 (Europa) sah man sich plötzlich
in der Lage, das Schwarzweißfernsehen farbig zu machen, ohne dabei
auf die Kompatibilität verzichten zu müssen. (Vorher gab es Versuche
mit inkompatiblen Systemen, die aber von der Qualität her noch
schlechter waren.) Dem Luminanz-Signal wurde huckepack ein Farbsignal
(Chrominanz) aufgeladen. Dabei ging man wie folgt vor: Die Farbe
besteht aus einem roten, einem grünen und einem blauen Anteil (RGB);
alle drei Anteile in der Summe ergeben wieder die Helligkeit
(Luminanz), die üblicherweise als Y bezeichnet wird. Es reicht also
aus, zusätzlich zu Y die Differenz zwischen Y und R sowie die
Differenz zwischen Y und B zu übertragen; G läßt sich dann errechnen.

[Tatsächlich handelt es sich um eine gewichtete Summe, mit den
ungefähren Gewichten von 0,30 für rot, 0,59 für grün und 0,11 für
blau.]

Für die Farbcodierung wurde in den USA zunächst NTSC entwickelt.
Dabei wird eine Differenz in die Amplitude moduliert, die andere
in die Phase des Farbträgers. Dieses Methode nennt man auch
Quadraturmodulation. Dieses System hat allerdings Schwächen, die
man für Europa ausbügeln wollte. Mehr als ein Jahrzehnt später kam
aus deutschen Landen NTSC mit Sicherheitsgurt: PAL. Gleichzeitig
zu PAL wurde in Frankreich ein neuer Ansatz (unabhängig von NTSC;
nicht mit Quadraturmodulation) geboren: SECAM.


1.2.1 NTSC   -------------------------------------------------------------

NTSC steht für »Never the same Color« (naja, nicht ganz :), eher
für etwas wie »National Television Standards Committee«), was aber
damit ausgedrückt werden soll ist, daß das unter 1.2 beschriebene
Verfahren ohne Modifikationen umgesetzt wurde. Der gravierende
Nachteil ist, daß wenn es bei der Übertragung zu Phasenverschiebungen
kommt, die Farben verfälscht werden (z. B. Hautfarbe als Olivgrün
oder Knallrosa). NTSC-Fernsehgeräte haben einen Regler, um
entsprechende Korrekturen vorzunehmen.

Hauptsächlich wird die NTSC-Farbcodierung heute auf ein SW-Bild
mit 525 Zeilen, von denen ca. 480 zu sehen sind, bei einer
Wiederholrate von 60 Hz interlaced, also 30 Vollbilder je Sekunde,
angewendet.  Das Composite-Signal (Kombination aus Luminanz und
Chrominanz) besteht aus der Luminanz und der bei 3,58 MHz aufmodulierten
Chrominanz. So wird es in den USA, Kanada und Japan verwendet.

Spricht man im allgemeinen von »NTSC«, so meint man üblicherweise
nicht direkt die Technik der Farbcodierung, sondern die Kombination
525/60/NTSC.


1.2.2 PAL   --------------------------------------------------------------

Da Europa ein paar Jahre später am Zug war, machte man sich etwas
mehr Gedanken, um das NTSC-Problem (siehe 1.2.1) auszuschalten.
Die Lösung hieß PAL. PAL steht für »Phase Alternating Line« (oder
so ähnlich :), was bedeutet, daß zwischen der Chrominanz der einzelnen
Zeilen ein Phasensprung (um 180 Grad) besteht, der für den Ausgleich
von Übertragungsfehlern sorgt, indem als Farbanteile jeweils die
Mittelwerte über zwei Zeilen verwendet werden. Außerdem ist der
PAL-Farbraum gegenüber dem NTSC-Farbraum um 30 Grad gedreht. (Kleiner
Haken: Dafür kann nicht an jeder Stelle des Bilds jede beliebige
Farbe verwendet werden. Die Wahl der Farbe ist abhängig von der
Farbe in der Zeile darüber. Das hat aber keinen sichtbaren Einfluß
auf das Bild.)

Hauptsächlich wird die PAL-Farbcodierung heute auf ein SW-Bild mit
625 Zeilen, von denen ca. 580 zu sehen sind, bei einer Wiederholrate
von 50 Hz interlaced (siehe oben), also effektiv 25 Vollbilder
(Frames) je Sekunde, angewendet. Das Composite-Signal (Kombination
aus Luminanz und Chrominanz) besteht aus der Luminanz und der bei
4,43 MHz aufmodulierten Chrominanz. So wird es in Westeuropa (außer
Frankreich) und in Australien verwendet.

Spricht man im allgemeinen von »PAL«, so meint man üblicherweise
nicht direkt die Technik der Farbcodierung, sondern die Kombination
625/50/PAL.

[Die erste (1) und die letzte Zeile (625) des »ungeraden« Halbbilds
haben jeweils nur die halbe Länge, damit beide Halbbilder insgesamt
die gleiche Länge haben.]


1.2.3 PALplus   ----------------------------------------------------------

In Vorbereitung. Eine sehr gute (englische) Einführung gibt es unter:
http://iiit.swan.ac.uk/~iisteve/palplus.html


1.2.4 SECAM   ------------------------------------------------------------

Von Wolfgang Schwanke 

SECAM benutzt zur Farbübertragung im Gegensatz zu PAL und NTSC nicht
eine Trägerfrequenz, sondern zwei. Und während PAL und NTSC
Quadraturmodulation anwenden (man kann es auch als eine Kombination
von Amplituden- und Phasenmodulation betrachten), verwendet SECAM
die stabilere Frequenzmodulation, wobei nur jeweils eine der beiden
Farbkomponenten abwechselnd übertragen wird (daher zwei Träger).

SECAM erreicht dadurch, ebenso wie PAL, stabile Farbtöne und vermeidet
die Kinderkrankheiten von NTSC, hat aber wegen der Frequenzmodulation
den Nachteil, daß der Farbträger immer in voller Amplitude vorhanden
ist, und so bei farblosen Bildpartien Störmuster im Bild hervorruft.

In den meisten Ländern, die sich für SECAM entschieden haben, geschah
dies aus politischen Motiven: Das Erfinderland Frankreich wollte
durch eine von den Nachbarn abweichende Norm Importe von Fernsehgeräten
erschweren und die heimische Industrie begünstigen (dieser Plan
ging nicht auf, sondern man handelte sich nur Nachteile mit
Inkompatibilitäten ein). Im damaligen Ostblock wollte man den Empfang
von westlichen Sendern durch eine inkompatible Norm erschweren
(augenfällig beim Beispiel DDR, wo dies jedoch nicht glückte, da
die Schwarzweißnorm zu der der Bundesrepublik kompatibel blieb).

Im allgemeinen unterscheidet man sprachlich zwischen SECAM-West
und SECAM-Ost, weil die Norm in verschiedenen Frequenzbereichen
gesendet wird und deshalb die Empfänger nicht zwangsläufig beides
können (s. dazu Abschnitt 1.3).

Zu allem Überfluß gibt es SECAM auch noch in zwei verschiedenen
Aufzeichnungsvarianten auf VHS-Video. Prinzipiell kann SECAM-West
und SECAM-Ost gleich auf Video aufgezeichnet werden. Da aber in den
SECAM-Ost-Ländern (vor allem Naher Osten) auch PAL gebräuchlich ist,
hat man den PAL-VCR eine Möglichkeit gegeben, auch SECAM-Signale
aufzunehmen. Dieses Aufzeichnungsformat ist aber inkompatibel zu
einer normalen SECAM-Aufnahme und nennt sich MESECAM. Im allgemeinen
gilt also, daß Frankreich »normales« SECAM als Aufzeichnungsnorm
benutzt, während Osteuropa und der Nahe Osten MESECAM verwenden.


1.3. Übersicht Sendenormen  ----------------------------------------------

In den vorhergehenden Kapiteln sind mehrere Farbfernsehsysteme
vorgestellt worden. Jedes besteht aus den zwei Komponenten a)
Zeilenzahl/Frequenz (schwarzweiß) und b) Farbsystem. Die genannten
Kombinationen sind die gebräuchlichsten (und für uns als Westeuropäer
interessantesten). Natürlich sind auch andere Kombinationen denkbar
und werden teilweise auch tatsächlich eingesetzt.

In der Realität verwendete Kombinationen, also solche, in denen
auch gesendet wird (Quelle: Multi-Standard Video Systems FAQ (Rev.
1.9) von Bevis R. W. King; erweitert):
-----------------------------------------------------------------
Name    Voll-/Halbbilder  Zeilen     Farbsystem  Farbträger
-----------------------------------------------------------------
NTSC    29,97/59,94       525        NTSC        3,579545 MHz *1
PAL     25/50             625        PAL         4,43619 MHz
PAL-M   29,97/59,94       525        PAL         3,575611 MHz
PAL-N   25/50             625        PAL         3,582056 MHz
SECAM   25/50             625        SECAM       4,25/4,40625 MHz
D2-MAC  25/50             625/1250   D2-MAC      -
-----------------------------------------------------------------

Pseudo-Kombinationen, also solche, die von VCR o. ä. erzeugt werden
(Quelle: Multi-Standard Video Systems FAQ (Rev. 1.9) von Bevis R.
W. King):
-----------------------------------------------------------------
Name      Voll-/Halbbilder   Zeilen      Farbsystem  Farbträger
-----------------------------------------------------------------
NTSC 4,43   29,97/59,94      525         NTSC        4,43 MHz *2
PAL 60      29,97/59,94      525         PAL         4,43 MHz *3
NTSC-625    25/50            625         NTSC        3,58 MHz
-----------------------------------------------------------------
*1 = wird in Europa oft »NTSC 3,58« genannt;
*2 = nur bei Multinorm-VCR üblich;
*3 = wird auch »PAL-525« genannt; bei PAL-VCR mit NTSC-Wiedergabe
     üblich.

Nun stellt sich abschließend die Frage: »In welchem Land der Erde
wird welches System eingesetzt?« Die Antwort ist leider nicht ganz
einfach, weil es noch mehr Unterschiede gibt. Da wäre noch der
Frequenzbereich, in dem terrestrische Ausstrahlungen durchgeführt
werden und die Methode, mit der der Zuschauer mit Stereo-Ton versorgt
wird. Man unterscheidet folgende Möglichkeiten (Quelle: Multi-Standard
Video Systems FAQ (rev 1.9) von Bevis R W King):

Bildübertragung                          Stereo-Ton-Übertragung
--------------------------------------   ------------------------------
Code Bilder/  Frequenz- Sound  Modu-     Name   Technik
     Zeilen   bereich  Offset  lation
--------------------------------------   ------------------------------
 B   25/625     VHF  +5,5 MHz  Neg        MTS   ein Differenzensignal
 C   25/625     VHF  +5,5 MHz  Pos              wird übertragen, um
 D   25/625     VHF  +6,5 MHz  Neg              aus dem Mono-Ton einen
 G   25/625     UHF  +5,5 MHz  Neg              Stereo-Sound zu machen
 H   25/625     UHF  +5,5 MHz  Neg
 I   25/625     UHF  +6,0 MHz  Neg        FM-FM zwei getrennte, ana-
 K   25/625     UHF  +6,5 MHz  Neg              loge FM-Kanäle
 L   25/625     UHF  +6,5 MHz  Pos
 M   30/525     VHF  +4,5 MHz  Neg        NICAM zwei getrennte, digi-
 N   25/625     VHF  +4,5 MHz  Neg              tale Tonkanäle
--------------------------------------   ------------------------------

-------------------------------------   -------------------------------------
Land      Bild-Code   Farbe   Ton       Land      Bild-Code   Farbe   Ton
-------------------------------------   -------------------------------------
Ägypten         B,G   SECAM             Dänemark        B     PAL     NICAM
                                        Indien          B     PAL
Griechenland    B,H   SECAM             Island          B     PAL
                                        Neuseeland      B     PAL     NICAM
Bulgarien       D,K   SECAM             Türkei          B     PAL
Polen           D,K   SECAM             Zypern          B     PAL
Rumänien        D,K   SECAM
Rußland (UdSSR) D,K   SECAM             Australien      B,G   PAL     FM-FM
Slowakei        D,K   SECAM             Belgien         B,G   PAL     NICAM
Tschechien      D,K   SECAM             Deutschland     B,G   PAL     FM-FM
Ungarn          D,K   SECAM             Finnland        B,G   PAL     NICAM
                                        Holland         B,G   PAL     FM-FM
Frankreich      L     SECAM             Israel          B,G   PAL
                                        Italien         B,G   PAL
Japan           M     NTSC              Luxemburg       B,G   PAL
Kanada          M     NTSC              Norwegen        B,G   PAL     NICAM
Peru            M     NTSC              Österreich      B,G   PAL     FM-FM
Taiwan          M     NTSC              Portugal        B,G   PAL
USA             M     NTSC    MTS       Schweden        B,G   PAL     NICAM
Venezuela       M     NTSC              Schweiz         B,G   PAL     FM-FM
                                        Spanien         B,G   PAL     NICAM
Brasilien       M     PAL-M   MTS
                                        Jugoslawien     B,H   PAL
Argentinien     N     PAL-N
                                        China           D     PAL

  Einige der »SECAM-Länder« ver-        Großbritannien  I     PAL     NICAM
  suchen nach  und  nach  PAL zu        Hongkong        I     PAL     NICAM
  etablieren  (insbesondere  die        Irland          I     PAL
  osteuropäischen Staaten).             Südafrika       I     PAL
-------------------------------------   -------------------------------------


1.4. Auflösung   ---------------------------------------------------------

Immer wieder wird die Frage nach der Auflösung des Fernsehbilds
gestellt. Die vertikale Auflösung (senkrecht, Anzahl der
Bildzeilen/Scanlines) ist bereits in 1.1 beschrieben. Auch VHS
zeichnet _ALLE_ Zeilen auf. [In der Tat werden nicht wirklich alle
Zeilen aufgezeichnet, aber zumindest alle sichtbaren. Lediglich
oben und unten, außerhalb des sichtbaren Bilds, werden Zeilen nur
teilweise auf dem Band gespeichert bzw. ganz weggelassen.]

Deutliche Unterschiede gibt es bei der horizontalen (waagrechten)
Auflösung. Weil analog, wird diese Auflösung in »Linien« angegeben,
was etwas verwirrend ist (in vielen Bedienungsanleitungen steht
auch »Zeilen«, was natürlich totaler Quatsch ist). Man muß es wie
folgt verstehen: Man nehme einen schwarzen Hintergrund, auf den man
nebeneinander weiße senkrechte Linien malt. Erhöht man die Anzahl
der Linien, die man gleichmäßig nebeneinander auf den Bildschirm
malt, kommt irgendwann der Punkt, bei dem man keine einzelnen Linien
mehr erkennt, sondern nur noch eine graue Fläche. Genau diese Anzahl,
ab der die Linien verschwimmen, ist die horizontale Auflösung. VHS
bringt es auf 240 Linien; S-VHS auf 400 Linien (beide Angaben für
SP; bei LP oder gar EP ist es natürlich viel weniger). In der Region
um 330 Linien liegt eine terrestrische Fernsehausstrahlung.  Die
höchste horizontale Auflösung auf analoger Basis erreicht (im
Heimbereich) mit 450 Linien die Laserdisc.

Bei den 500 Linien ist auch die Leistungsgrenze der Fernsehgeräte
erreicht; und um wirklich 500 Linien sehen zu können bedarf es schon
a) eines guten Fernsehgeräts und b) einer S-Video-Verbindung (oder
besser noch RGB), bei der Luminanz und Chrominanz getrennt übertragen
werden.

Das neue Medium DVD (Digital Versatile Disc) erreicht durch seine
digitale Bildspeicherung eine Auflösung, die ungefähr 550 Linien
entspricht.

Es gibt Testbilder, um die Auflösung des Fernsehgeräts zu prüfen;
auf diesen Testbilder laufen zehn oder mehr Linien von oben nach
unten auf einen Punkt zu (also v-förmig). Neben diesem Linienbündel
sind Zahlenwerte angegeben (Werte ca. 300 bis 500) womit die Auflösung
bestimmt werden kann.


1.5. Teletext, Close Caption   -------------------------------------------

Zusätzlich zum Fernsehbild werden von vielen Sendern weitere
Informationen ausgestrahlt.

In NTSC-Ländern hauptsächlich »CC« (Close Caption), ein System zur
Untertitelung von Sendungen; ein spezieller Decoder, der in vielen
Fernsehgeräten eingebaut ist, macht die Untertitel sichtbar. Texte
können in verschiedenen Farben an jeder Stelle des Bilds plaziert
werden. »CC« bleibt auch bei Aufzeichnung auf VHS-Video erhalten
- weshalb es auch in PAL-Ländern unter dem Namen »Movietext«
eingeführt werden soll.

In PAL-Ländern ist Teletext üblich, der von fast allen Sendern
angeboten wird. Teletext bietet sogenannten Seiten, die in zyklischer
Reihenfolge ausgestrahlt werden. Der Decoder (in Fernsehgeräten und
Videorecordern eingebaut) muß also warten, bis die von Benutzer
gewünschte Seite gesendet wird. Teletext bietet neben Farbe und
verschiedenen Schriftgrößen auch einfache Blockgrafik. Verschiedenen
Zeichensätze ermöglichen den Einsatz von Teletext in der ganzen
Welt. Mit Teletext können nicht nur Untertitel sondern auch beliebige
andere Informationen verbreitet werden. So bieten Sender i. d. R.
eine Programmübersicht an, mit deren Hilfe z. B. Videorecorder
programmiert werden können.

Teletext kann nur mit S-VHS oder vergleichbar gut auflösenden
Videosystemen aufgenommen werden. (Einige Hersteller von Video-Recordern,
z.B.  Akai, bieten auch VHS-Geräte an, die angeblich Teletext
aufzeichnen können. Ob und wie das funktioniert ist bisher unklar.)

Der Teletext der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland heißt
»Videotext« (eingetragenes Warenzeichen), weshalb zu Teletext in
Deutschland meistens Videotext gesagt wird - andere Sender nennen
ihren Teletext nach dem Sendernamen, z. B.  RTLtext, SAT.1-Text,
CNNtext usw.

Von Teletext gibt es auch eine neuere, hochauflösende Version, die
bisher aber nur auf sehr wenigen Fernsehgeräten betrachtet werden
kann, weil nur ganz wenige Geräte mit einem Decoder V2.5 ausgestattet
sind.

CNN hat den Teletext so »aufgebohrt«, daß mit Hilfe eines speziellen
Decoders (gegen Bezahlung) Informationen der Presseagentur Reuters
eingesehen werden können (die Seiten haben statt nur Zahlen auch
Buchstaben als Kennung).


2. Videonormen   ---------------------------------------------------------

2.1. Aufzeichnung

Bild und Ton kann auf Video aufgezeichnet werden. Hier werde ich
nur VHS (Video Home System) abhandeln. VHS gibt es in NTSC, PAL,
PAL-M, SECAM und MESECAM. Diese Aufzeichnungsformate sind alle
zueinander inkompatibel.

Die Kassetten werden zwar - nach der Beschriftung zu urteilen - in
zwei Gruppen, nämlich NTSC und PAL/SECAM, eingeteilt, sind jedoch
physikalisch gleich (auf PAL-/SECAM-Kassetten kann NTSC aufgezeichnet
werden und andersherum). Unterschiedlich ist aber die Bandgeschwindigkeit.
In PAL/(ME)SECAM läuft das Band nur bei etwa 2/3 der NTSC-Geschwindigkeit.
(Zu PAL-M liegen mir leider keine Informationen vor.) Das heißt in
PAL/(ME)SECAM paßt etwa 1/3 mehr auf ein Band.  Tabelle 2 zeigt,
welche Bandlaufzeiten üblich sind.

In PAL/(ME)SECAM gibt es neben der normalen Aufzeichnung in »SP«
(Shortplay) noch »LP« (Longplay), was der halben Bandgeschwindigkeit
und damit der doppelten Kapazität entspricht.  Ebenso in NTSC. NTSC
kennt zusätzlich »EP« (Extended Longplay), 1/3 Bandgeschwindigkeit,
also dreifache Kapazität gegenüber SP (wird manchmal auch als »SLP«
- Super Long Play - bezeichnet).

Tabelle 2: Kassettentypen
--------------------------------------------------------
Euro-       US-          PAL  PAL  NTSC NTSC NTSC  Länge
Bezeichnung Bezeichnung  SP   LP   SP   LP   EP    ca.
--------------------------------------------------------
  E-180     T-120        180  360  120  240  360   257m
  E-240     T-160        240  480  160  320  480   343m
  E-300     T-200        300  600  200  400  600   429m
--------------------------------------------------------

Die Video-Aufzeichnung erfolgt mit einer rotierenden Videotrommel.
Je Umdrehung wird ein Frame (ein Vollbild) aufgezeichnet. Da NTSC
30 fps (Frames je Sekunde) hat, dreht sich die Trommel natürlich
schneller, als in PAL-VCR (VCR = Video Cassette Recorder =
Videorecorder) mit nur 25 fps.

[Die Zeitangaben in Tab. 2 sind nur ungefähre Werte. So ist z. B.
eine E-180-Kassette 257 m lang und hält locker 185 Minuten (PAL).
Eine vergleichbare T-120-Kassette ist nur 246 m lang und hält knapp
mehr als 122 Minuten (NTSC). Um z. B. drei Stunden NTSC auf eine
europäische VHS-Kassette aufzuzeichnen, bedarf es einer E-260, die
ca. 182 Minuten NTSC aufnehmen kann.]


2.2. Film-Video-Transfer   -----------------------------------------------

In dieser Welt existieren drei übliche Frame-Raten. Siehe dazu
Tabelle 3 (hfps = half frames per second = Halbbilder je Sekunde).

Tabelle 3: Frame-Raten
-----------------------
NTSC   30 fps / 60 hfps
PAL    25 fps / 50 hfps
Film   24 fps
-----------------------

Die Frage ist nun, wie werden Spielfilme und Fernsehserien (beide
werden in der Regel auf Film aufgezeichnet) auf Video übertragen.
Die Antwort für PAL ist sehr einfach (und für viele immer wieder
überraschend): Ein Film-Frame wird auf ein PAL-Frame übertragen.
Dadurch wird das Material mit 25 statt mit 24 fps abgespielt, also
zu schnell. Deshalb ist in PAL alles um 4% kürzer, als im Kino oder
in NTSC (außer es werden andere Transfer-Verfahren verwendet, was
manchmal bei Fernsehserien im Privatfernsehen der Fall ist, um
längere Beiträge zu erzeugen, was mehr Werbung möglich macht).

Da die Differenz zwischen 24 und 30 zu groß ist, muß für NTSC ein
anderes Verfahren herhalten. Man nennt es »2:3-Transfer«. Jedes
ungerade Film-Frame (1, 3, 5 usw.) wird auf zwei NTSC-Half-Frames
übertragen, jedes gerade Film-Frame (2, 4, 6 usw.) auf drei
NTSC-Half-Frames.

Tabelle 4: »2:3-Transfer«
------------------------------------------------------------
Film-Frame        01 01 02 02 02 03 03 04 04 04 ... 24 24 24 
NTSC-Half-Frame   01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 ... 58 59 60
------------------------------------------------------------

Also 12 fps * 2 + 12 fps * 3 = 60 hfps. Bingo! Man könnte den
Transfer als »Dauerruckeln« bezeichnen, was beim Betrachten aber
nicht auffällt. Dafür läuft das Material in der richtigen
Geschwindigkeit.


3. Videowiedergabe   -----------------------------------------------------

3.1. Grundsätzliches

Ein Nur-PAL-VCR kann PAL-Bänder wiedergeben; ein Nur-NTSC-VCR kann
NTSC-Bänder wiedergeben - klar. Ein Nur-PAL-VCR kann in _KEINEM_
Fall NTSC-Bänder wiedergeben, weil weder die Bandgeschwindigkeit noch
die Rotationsgeschwindigkeit der Trommel stimmen (siehe 2.1.).

In der Frage »kann aufgenommen werden« bezieht sich dieses FAQ auf
eine qualitativ hochwertige Aufnahme; irgendwelches Geflimmere, bei
dem man vielleicht etwas erkennen kann, oder Bilder mit Streifen
gelten als »kann nicht aufgenommen werden«.


3.2. NTSC-Playback-Recorder   ------------------------------------------

Viele PAL-Markengeräte der besseren Klasse bieten eine
NTSC-Playback-Funktion. Das heißt diese PAL-VCR können auch NTSC-Bänder
wiedergeben, indem sie beim Erkennen einer NTSC-Aufnahme die Band-
und Trommelgeschwindigkeit entsprechend anpassen und modifizierte
Videoschaltkreise aktivieren. Diese VCR können kein NTSC aufnehmen.

Nun gibt es drei Möglichkeiten, wie die Wiedergabe-Schaltkreise das
Bild aufbereiten (in manchen VCR umschaltbar):

a) Als NTSC 3,58 ... ein völlig normales NTSC-Signal.
b) Als NTSC 4,43 ... ein NTSC-Signal mit Chrominanz bei 4,43 MHz.
c) Als PAL 60    ... ein PAL-Signal mit 30 fps und 525 Zeilen.

Zu b): Dieses Format ist in Europa üblich, weil die Hersteller Teile
der PAL-Schaltkreise verwenden können und damit Geld sparen.

Zu c): Dieses Mischformat wird oft als »NTSC-Playback on PAL TV«
verkauft, weil sich fast alle PAL-Fernseher auf 60 Hz (interlaced)
synchronisieren können und damit kein Multinorm-Fernsehgerät nötig
ist. Während die beiden NTSC-Formate mit einem entsprechenden
NTSC-VCR (oder Multinorm-VCR) aufgezeichnet werden können, kann
außer dem Fernsehgerät NIEMAND etwas mit PAL 60 anfangen. Ein

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